Deutschlands geheimnisvolles Fleisch: Trotz des Vertriebsmarketings aus Deutschland zeigen Untersuchungen, dass Großunternehmen Fleisch verkaufen, das mit der Zerstörung des Regenwaldes am Amazonas in Verbindung steht

Europas Top-Erzeuger von Fleisch- und Milchprodukten importiert enorme Mengen an Soja, das auf abgeholzten Flächen angebaut wurde

24. Mai 2017: Tierfutter für die Aufzucht deutscher Nutztiere treibt die Abholzung in Lateinamerika voran. Das ergeben neue Analysen der Umweltgruppe Mighty Earth. Die Untersuchung ergab, dass seit 2011 fast 800 000 Hektar in der brasilianischen Savanne und im bolivianischen Amazonasbecken für den Anbau von Soja abgeholzt wurden. Das entspricht in etwa einem Rodungsgebiet des gesamten Schwarzwaldes. Die Hauptunternehmen, die diese Abholzung vorantreiben, sind Deutschlands Top-Importeure von Soja, das hier als Hauptbestandteil von Tierfutter verkauft wird.

Deutschland, ein Top-Produzent von Fleisch- und Milchprodukten in Europa, ist führender Importeur von Soja aus Südamerika und ein Spitzenmarkt insbesondere für brasilianische Soja-Exporte. Wirtschaftsdaten belegen, dass Deutschland 3,7 Millionen Tonnen Sojabohnen und 2,9 Millionen Tonnen Sojamehl im Jahr 2015 importiert hat. Der größte Anteil kam aus Brasilien, wo die Abholzungsraten die höchsten in Lateinamerika sind. Die agrarindustriellen Händler Cargill und Bunge, die, wie sich herausstellte, in erster Linie für das Vorantreiben der Abholzung in Lateinamerika verantwortlich sind, gehören zu den größten Soja-Importeuren nach Deutschland.

„Während große deutsche Unternehmen stolz verkünden, dass ihr Fleisch vor Ort produziert wird, stammen Wurst, Käse und andere typisch deutsche Produkte von Tieren, die tatsächlich mit Soja gefüttert werden und dadurch überall auf der Welt die Zerstörung von Waldflächen vorantreiben,“ erklärte Lucia von Reusner, Leiterin von Mighty Earth in Deutschland. „Als Spitzenmarkt für in Lateinamerika produzierte Soja spielen anerkannte deutsche Unternehmen wie Edeka, Lidl, Aldi und Metro eine Schlüsselrolle bei der Sicherstellung, dass Lieferanten wie Cargill und Bunge keine Wälder in bedrohten Ökosystemen zerstören.

Als Reaktion auf Bedenken von Kunden Investoren in den letzten Jahren haben Cargill und Bunge die Strategie übernommen, keine Beschaffungen aus abgeholzten Bereichen vorzunehmen. Jedoch haben Satellitenanalysen in unserem Bericht zutage gebracht, dass diese Strategien gar nicht auf dem Boden umgesetzt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung haben Verbrauchergesellschaften aus aller Welt veranlasst, nach strengerem Schutz für die Wälder Lateinamerikas zu verlangen. Die Rufe nach einem Moratorium über die weitere Abholzung kamen von einigen der weltgrößten Nahrungsmittelunternehmen wie Unilever, Tesco, McDonald’s, Carrefour, Kelloggs, Marks & Spencer, Sainsbury’s, Mars Petcare, Ahold, Dunkin’ Brands, Nestlé, ADM, Louis Dreyfus und Wilmar und außerdem von Investoren, die Vermögenswerte von über einer halben Billion Dollar repräsentieren und unter ihrer Verwaltung haben.

„Einige der weltgrößten Verkäufer von Fleisch- und Milchprodukten üben Druck auf Cargill und Bunge aus, damit sie ihre Abholzung sofort einstellen“, sagt von Reusner. „Es ist Zeit, dass deutsche Unternehmen der Fleischindustrie wie Toennies, Vion und die PHW-Gruppe ihren Beitrag leisten. Wir rufen deutsche Unternehmen, die Fleisch kaufen und verkaufen, ihre Führungsrolle ernster zu nehmen und die wachsende Anzahl weltweiter Verbraucherunternehmen verstärken, die nach einem Ende dieser Umweltzerstörung rufen.“

Laut World Resources Institute (Weltressourceninstitut) gibt es in Lateinamerika rund 500 Millionen Morgen von ehemals abgeholztem Land und degradierten Flächen und Landwirtschaft kann auf dieses Land ausgeweitet werden, ohne dass intakte Wälder geopfert werden müssen. Im brasilianischen Amazonasbecken konnten Unternehmen wie Cargill, Bunge, ADM, Louis Dreyfus und andere die Sojaproduktion um mehr als sechs Millionen Morgen ausweiten können, ohne auch nur einen Wald zu opfern. Sie stimmten zu, kein Soja mehr zu kaufen, das durch Abholzung produziert wurde, Mighty Earth wollte zusammen mit der brasilianischen Regierung und Dutzenden von Verbrauchergesellschaften rund um die Welt dieses Modell auf den gesamten Kontinent ausweiten. Cargill und Bunge haben sich bisher geweigert, Maßnahmen zu ergreifen.

Eine in der letzten Woche veröffentlichte aktualisierte Analyse zeigte, dass die Abholzung seit der ursprünglichen Untersuchung mit einer riesigen Geschwindigkeit an denselben Standorten in Südamerika fortgesetzt wird. In gerade einmal diesem kleinen Ausschnitt aus Südamerikas Sojagürtel fand Mighty Earth auf den im September 2016 besuchten Farmen insgesamt 60 Quadratkilometer neuer Rodungen (was ungefähr 10 000 Fußballfeldern entspricht) sowie 120 Quadratkilometer geplanter Rodungen – Land, für das die Bulldozer schon bereitstehen. Als Hauptkonsumenten der südamerikanischen Soja haben deutsche Unternehmen einen enormen Einfluss auf die Sojaindustrie und müssen ein Ende der Abholzungen verlangen, ehe es zu spät ist.

Über Mighty Earth Mighty Earth ist eine weltweite Umweltschutzorganisation, die den Schutz der Wälder, die Konservierung der Meere und die Probleme des Klimawandels angeht. Wir arbeiten in Südostasien, Lateinamerika, Afrika und Nordamerika, um groß angelegte Aktionen für eine umweltschonende und verantwortliche Landwirtschaft, die die heimischen Ökosysteme, Wildtiere und Wasser schützt und Gemeinderechte respektiert, durchzuführen.  Das weltweite Team von Mighty Earth hat eine entscheidende Rolle bei der Überzeugung der weltgrößten Nahrungsmittel- und Landwirtschaftsunternehmen gespielt, ihre Umwelt und Sozialpolitik und-praktiken dramatisch zu verbessern. Weitere Informationen zu Mighty Earth finden Sie auf http://www.mightyearth.org/.